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Stellen Sie sich vor, Sie stehen inmitten der Sixtinischen Kapelle
und lassen Ihren Blick langsam über die Fresken wandern.
Dieses Erlebnis hat Thorsten Wollmann mit seiner Komposition "Michelangelo"
für Sie in die Klänge eines Streichorchesters verwandelt
Der Weg vom Jazz zur Klassik. Der 2. Teil der Dokumentation dieses Weges mit dem Filmkomponisten Thorsten Wollmann.
Characteristics Of Water
dokumentiert den Weg vom Jazz über die Neue Musik hin zur Klassik. Ein Weg, gezeichnet durch den unbefangenen persönlichen Dialog mit den Stilrichtungen der Kunst - Dialoge zwischen Literatur und Musik zum einen, Dialoge innerhalb der Musik zum anderen, verarbeitet in einem konstruktiven spartenübergreifenden Fluß, der nicht einfach nur eine Mischung verschiedener Stile beinhaltet, sondern in sich homogen ist - der in sich ruht.
Durch Publikationen wie Tango Fuego-Encuentros bieten wir dem Zuhörer Brücken, an diesem Fluß teil zu haben. Die Basis hierzu bilden Werks-Publikationen wie Characteristics Of Water, die die Entwicklung einzelner Künstler dokumentieren, um diese experimentellen Erfahrungen in einer anderen Form anzuwenden und dadurch z.B. den Weg über den Jazz zum konzertanten klassischen Erlebnis zu eröffnen. Der Stil als solches tritt in den Hintergrund und die programmatische konzertante Einsetzbarkeit wird von der Besetzung unabhängig, wodurch schlussendlich die mentale Aussage multikulturell einsetzbar und zu einer eindeutigen Aussage wird, die nicht verfremdbar ist, sondern ihre Schwerpunkte erhält. Der Anspruch der Musik verlagert sich dadurch hin zur Eindeutigkeit und somit zur Vermittelbarkeit, ohne jedoch den kulturellen Anspruch zu verlieren.
"Wollmann läßt sich von visuellen Momenten, Bildern, Formen, Naturphänomenen, aber auch Träumen und philosophischen Gedanken begeistern und sucht nach den Tönen der Bilder... Aber dennoch handelt es sich nicht um einfältige Meditationsmusik, und es wäre auch gegen sie schon deshalb nichts einzuwenden, weil der Klangmaler damit Gefühle sehr direkt und dabei absolut unprätentiös zu vermitteln weiß..." (Ingo Wackenhut in SCALA)
Ein kurzes Essay über meinen Kompositionsstil:
Die meisten meiner Kompositionen beruhen auf visuellen Eindrücken und ihrer gefühlsmäßigen Interpretation. Meine Themen sind vornehmlich Bilder, Formen, Naturphänomene, Träume oder philosophische Gedanken. In meiner Musik versuche ich, diese Themen aufzunehmen, in sie hineinzugehen und Wege zu finden, ihren Inhalt, ihr Wesen auszudrücken. Dabei entstehen emotionale Stimmungen, Atmosphären und Klangbilder, von denen man sagen kann, daß sie quasi gemalt wurden, wobei ich mich durchaus als Klangmaler betrachten würde. Malerei beschäftigt mich, weil sie die Eigenschaft hat, einen Eindruck festhalten zu können und auch, weil ich von Farben schon immer fasziniert war. Wenn ich Musik höre, dann sehe ich immer verschiedene Farben, und wenn ich komponiere, spielen die Farben eine wesentliche Rolle. In meinem Innern verschmelzen Klang und Farbeindruck, Klangfarben und Farbnuancen zu einem ganzen erlebenden Gefühl. Im Gegensatz zur dramatischen, sich entwickelnden Musik, bei der der Ablauf, das Geschehen im Mittelpunkt steht, und bei der Themen eine Entwicklung erfahren, geht es mir eher um den Augenblick, die Situation. Möglichst intensiv einen Eindruck beschreiben zu können, ihn lange genug betrachten und auskosten zu können, ist mir wichtig. Viele meiner Kompositionen haben kein eigentliches Thema, sondern bestehen aus sich immer wieder variierenden Linien, diese Imitationen bilden Momente, die mir wie Fenster erscheinen, durch die es möglich ist, zu sehen. Außer Farben interessieren mich Bewegungen, verschiedene Arten von Bewegungen und die sich daraus ergebenden Strukturen, Muster und Formen, wenn diese Bewegungen durchschritten werden. Rhythmik empfinde ich eher unbewußt, natürlich und aus der Improvisation hervorgehend, während ich gerne die Architektur einer Komposition mathematisch konstruiere, dabei bevorzuge ich Symmetrie. Natürlich liegt es nahe, meine Werke mit Werken des Impressionismus und der Minimal-Music zu vergleichen, jedoch unterscheiden sich im Detail wesentlich. Die meisten Kompositionen sind auf harmonischen Zyklen aufgebaut, deren Prinzip das einer minimalen farblichen Veränderung ist, wobei jedem Stück eigene modalharmonische Gesetzmäßigkeiten zugrundeliegen.
In der Reduktion der Stilmittel sehe ich die Möglichkeit, Neues zu finden, wohingegen ich die Ansicht vertrete, daß ein Komponist sich nicht zu scheuen braucht, schon Dagewesenes in neuem Licht erscheinen zu lassen, oder es durch ungewohnte Kombination zu verwandeln. Tonliche Reduktion bedeutet für mich die Verwendung von Tonsystemen zwischen Diatonik und Atonalität. Gerade weil diese beiden Tonsysteme schon so häufig benutzt wurden, versuche ich, die zwischen den beiden Extremen liegenden, immer noch unzählige Möglichkeiten bietenden Tonsysteme zu entdecken. In meinen Werken verzichte ich bewußt auf den Gebrauch von unüblichen Stimmungssystemen, experimenteller Notation und Aufführungspraxis, sowie auf Effekte und extreme Spielweisen von Instrumenten. Hingegen dessen benutze ich öfters zeitlich offene Notationsweisen, die bei jeder Aufführung unterschiedliche Interpretationen entstehen lassen können. Einfachheit und Klarheit scheint mir oft der Wahrheit näherliegender zu sein als Komplexität. Auch die Länge von Stücken versuche ich, soweit es geht, zu reduzieren, wenn auch nicht immer zur Miniatur. Wesentlich für bisher jede Komposition ist eine ihr anhaftende Ästhetik, ohne die ich nie auskommen würde, die zu beschreiben es mir schwerfällt und deren Ideal vielleicht in Worte wie Feinheit, Ausgewogenheit, Kunstfertigkeit und Ehrlichkeit zu kleiden wäre.
Chiang Mai, Januar 1997
Zur Person:
Thorsten Hermann Wollmann, geb. am 10.2.19966 in Biberach-Laupheim, Baden Württemberg
Preise bei Jugend Musiziert und Jugend Jazzt
Abitur am Pestalozzi-Gymnasium, Biberach a.d. Riß 1985
1986-1994 Studium an der Musikhochschule Köln
Hauptfach Komposition und Trompete (Jazz)
Nebenfach Klavier (Jazz und Klassik)
Mitglied des Landesjugendjazzorchesters Baden-Würtemberg, des Bundesjugendjazzorchesters, des Bundesjazzseptetts, des German-Scandinavian-Project und des Südpoolensembles, Baden-Würtemberg.
Tourneen in Afrika (Niger, Benin, Togo, Nigeria, Kamerun, Zentralafrikanische Republik), Südostasien (Thailand, Indonesien, Philippinen), Indien, Mexico, Portugal und Spanien
Kompositionsaufträge für den WDR, SDR, HR und NDR
1989 Komposition Suite before A für den WDR (Cologne-Projekt - The International Workshop)
Unterrichtstätigkeit für die freie Jazzhausschule Köln
1990 Nachtmusik im WDR Siddhartha für Orchester
Jazzmatinee mit dem SDR-Orchester (als Solist und Komponist)
Private Unterrichtstätigkeit
1991 Produktion der CD: Remscheid-Big Band und Bobby Shew
Jazzmatinee mit dem SDR-Orchester (Solist und Komposition: Impressions of Ayudhtaya)
SDR/SWF-Mitschnitt: Thorsten Wollmann-Quintett in Konstanz
1992 Produktion und Konzert mit der WDR-Big Band featuring Tom Harell (sechs eigene Kompositionen)
Produktion Suite of Dreams für das WDR-Rundfunkorchester mit dem Thorsten Wollmann Quintett
Jazzpreisträger 1992 (Jazzpreis des Kultusministeriums Baden-Würtemberg)
SWF-Mitschnitt: Preisträgerkonzert Thorsten Wollmann Quintett in Villingen
Komposition Lines in Blue Colors für die NDR-Big Band
Suite Helliconia im Auftrag für CD-Produktion des Südpoolensembles (CD: Concepts)
1993 Kompositionsauftrag der Gema-Stiftung Aus einer Sage für sinfonisches Blasorchester (Pflichtstück für das Bundesmusikfest 1995)
Kompositionsauftrag für das Ensemble-Pyramide (Schweiz): The Characteristics Of Water
Teilnehmer des internationalen Bob-Brookmayer-Kompositionsworkshops, Köln
Die Elemente für Sinfonieorchester
Klavierkonzert
Kompositionsauftrag: Drei Preludes für Flöte und Harfe
1994 Künstlerische Reifeprüfung an der Musikhochschule Köln, Diplom-Komposition (Das Examenskonzert wurde vom WDR aufgezeichnet und im November gesendet)
Lyrik Suite für Orchester, featuring John Taylor
Auftragsarrangements für die NDR-Big Band
Engagement als Dirigent für die Jimi Hendrix Produktion beim NDR
Dozent beim Landesjugendjazzorchesters Baden-Würtemberg
Eigene CD Cycles
Auftragskomposition für das Südpool-Orchester Baden-Würtemberg
Concerto for Soprano Saxophone für CD-Produktion des German Jazzorchestras
1995 Dozent bei Landesjugendjazzorchesters Baden-Würtemberg
Auftragsarrangements für die NDR-Big Band
Filmmusik für die CeBit 95, Aufnahmen mit den Sofia Philharmonikern in Bulgarien unter eigener Leitung
Veröffentlichung eigener Werke im Verlag
Sound & Motion Project für das Südpool-Jazzfestival in Stuttgart
Symphony for Strings
1996 Teilnahme am ASCAP-Film Composer-Workshop in Hollywood, Los Angeles
Seit Juni: Deutscher Akademischer Austauschdienst-Lektor an der Musikabteilung der Payap-University, Chiang Mai/Thailand
Finalist bei der Thad Jones Competition des Danish Radio Jazz Orchestra in Copenhagen
Zweiter Preis im Kompositionswettbewerb für Blasorchesterwerke, Baden-Würtemberg
Kompositionsauftrag für Duo Concertante (Köln): Impressionen für Oboe und Gitarre
Violinkonzert: Kaleidoscope
Kompositionen, Arrangements und Dirigat für Tango Fuego und Streicher (CD). Aufnahmen in Bulgarien mit Musikern des Rundfunkorchesters Sofia
1997 Konzert mit internationalem Jazz Quintett im Winterpalast in Mae Hong Som,
Thailand zu Ehre und für Ihre Majestät Königin Sirikit von Thailand.
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